Deepfake-Betrug mit Fake-Krypto: Der XAI Token Scam

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Perfide Masche hinter gefälschten YouTube-Kommentaren

Torben Platzer hat die Kommentare seiner eigenen YouTube-Videos durchforstet und stieß dabei auf eine besonders gefährliche Betrugsmasche: Gefälschte Kommentare, die vermeintlich neue Kryptoprojekte wie den sogenannten „XAI Token“ bewerben. Es beginnt harmlos mit Bots, die Konversationen simulieren und mit einer Vielzahl an Likes ihre eigene Glaubwürdigkeit steigern.

Was zunächst wie ein typischer Internet-Betrug aussieht, entpuppt sich schnell als eine raffinierte Masche auf Basis modernster KI-Technologien. Dabei ist XAI kein echter Token, sondern das Produkt eines millionenschweren Deepfake-Betrugs, bei dem die Betreiber mit gefälschten Videos, Dokumenten und Webseiten Millionenbeträge ergaunern.

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Fake-Videos mit geklonten Stimmen und Avataren

Die Videos, die angeblich von bekannten Krypto-Influencern wie „Altcoin Watcher“ oder „Lark Davis“ stammen, heizen die Investment-Community an. Aussagen wie „Now is your chance to get rich“ wirken glaubwürdig – solange man nicht weiß, dass diese Aussagen nie von den echten Personen gemacht wurden. Ihre Stimmen wurden mittels KI nachgeahmt – mit Diensten wie ElevenLabs kann man Audios verblüffend realistisch klonen, wenn man nur 10 bis 15 Minuten Sprachmaterial hat.

Noch schlimmer wird es, wenn auch visuell getäuscht wird. Mit Tools wie HeyGen oder Synthesia kann man innerhalb kürzester Zeit Videoclips mit einem KI-generierten Avatar erstellen – gesprochen wird dann der gefälschte Text mit geklonter Stimme. Zu sehen ist eine täuschend echte Version des Influencers im Stil seiner echten Videos.

Es wird zwar in der Theorie ein Video von der jeweiligen Person benötigt, in welcher die Zustimmung zur Erstellung eines Avatars gegeben wird. Dies ist beispielsweise bei HeyGen der Fall. Torben hat jedoch schon innerhalb des RTL Formats „Achtung Verbrechen“ aufzeigen können, dass nicht immer eine Zustimmung notwendig ist.

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Gefälschte YouTube-Kanäle und Webseiten

Die Masche ist durchdacht: Die Fake-Videos werden auf Kanälen hochgeladen, die täuschend echt aussehen. Die Kanalbeschreibungen, Playlists und Logos wurden vom Original-Konto kopiert. Die Abonnentenzahlen scheinen glaubhaft, sind aber in Wahrheit gekauft. Einmal auf dem Video gelandet, wird man durch YouTube-Logik auf weitere echte Inhalte des echten Influencers weitergeleitet – eine Taktik, um Authentizität vorzutäuschen.

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Noch perfider: Die Scammer haben auch professionell gefälschte Newsseiten erstellt. Beispielsweise existiert eine gefälschte Version der renommierten Seite „CoinTelegraph“. Dort erscheint ein vermeintlicher Artikel über den Pre-Sale von Elon Musks XAI Token – komplett mit Logo, CI und Layout des Originals.

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Die URL der Fälschung ist ebenfalls stark an die Originale angelehnt. Wer nicht genau hinschaut, kann auch hier zu dem Trugschluss kommen, auf der echten CoinTelegraph Website zu sein.

Der angebliche Presale und die Investitionsfalle

Über mehrere dieser gefälschten Seiten wird ein sogenannter Pre-Sale beworben: Der Token sei noch in Phase 2 von 5, aktuell koste er nur 0,30 US-Dollar, bald schon 0,50 US-Dollar. Damit wird künstlicher Druck aufgebaut – ein klassisches FOMO-Spiel. Die Landingpages sind klar strukturiert, vollständig mit Tokenomics, Roadmap, Whitepaper, Team und KYC-Vorgaben – besser als bei vielen echten Krypto-Projekten.

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Doch wer investieren will, wird gezwungen, sich zu registrieren. Der Mindestbetrag liegt bei 225 US-Dollar. Ein Token wird nie geliefert – dafür aber das Geld einkassiert.

Kontakt mit den vermeintlichen „Beratern“

Torben Platzer hat den Selbstversuch gewagt und sich mit einem Fake-Profil registriert. Keine 24 Stunden später kam per WhatsApp eine Nachricht vom angeblichen Account-Manager „Thomas Bauch“. Ziel war: Das „Handelskonto“ aktivieren. Der Mitarbeiter hat Torben eine ganze Reihe von Investitionsmöglichkeiten genannt, wollte sich zum XAI-Token aber scheinbar nicht direkt äußern.

Einem Telefonat wurde offenbar nur zugestimmt, da Torben von einer Investition in Höhe von 10.000 Euro sprach. Kurz darauf wurde er von der angeblichen „leitenden Managerin“ angerufen.

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Auch hier ging es eingangs wieder nur um die Aktivierung des „Handelskontos“ mit dem Hinweis, dass man danach mit seinem „Analytiker“ die „persönliche Handelsstrategie“ bespricht.

Als Torben davon spricht, dass er das alles „etwas unseriös“ findet und als Beispiel das Profilbild von „Thomas Bauch“ nennt, welches für ihn KI-generiert aussieht, lenkt die „leitende Managerin“ ein und erklärt, dass dem nicht so ist. Die Büros würden sich immerhin in Deutschland, aber auch in Österreich und der Schweiz befinden.

In Deutschland sei die Hauptzentrale in München an der „Friedenheimer Brücke“. Als Torben jedoch fragte, ob er dann nicht einfach mal vorbei kommen könnte, wurde ihm mitgeteilt, dass dort die „Analyse-Abteilung“ sitzt. Sie selbst und auch „Thomas Bauch“ würden in Frankfurt sitzen. Ein persönliches Gespräch soll wohl erst möglich sein, sobald man seinen persönlichen Analytiker hat. Dafür ist wiederum die Aktivierung des „Handelskontos“ erforderlich.

Torben Platzer recherchierte während des Gesprächs: Die Adresse existiert, die Firma dort sitzt allerdings in einem anonymen Coworking Space.

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Anhand der Gesprächsführung seitens Torben haben die Betrüger offensichtlich gemerkt, dass Torben sehr skeptisch ist und schickten ihm nach dem Telefonat per WhatsApp ein (natürlich gefälschtes) Zertifikat von der angeblichen „European Financial Authority“ zu – inklusive CEO-Unterschrift. Die echte Behörde heißt European Banking Authority.

Bei einer Bildersuche findet Torben das gefälschte Zertifikat relativ schnell. Zudem scheinen auch andere fragwürdige Unternehmen mit einer ähnlichen Masche unterwegs zu sein. Die Finanzaufsicht BaFin warnt seit Ende August 2024 ebenfalls vor der angeblichen europäischen Aufsichtsbehörde.

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Zusätzlich zu dem gefälschten Zertifikat versuchte „Herr Bauch“ auch weiterhin Torben zu überzeugen. Herr Bauch hofft, dass Torben den Unterschied zwischen Betrügern und einem „echten Investitionsprojekt“ versteht. Während Betrüger ja nur das Geld ihrer Opfer wollen, will er Torben dabei helfen, möglichst viel Geld zu verdienen, denn je mehr Torben verdient, desto mehr verdient auch das Unternehmen.

Deshalb wurde Torben von Anfang dazu geraten, mit einer kleineren Investition von beispielsweise 500 Euro zu starten. Somit kann er sehen, wie alles in dem Unternehmen funktioniert und sich von der Professionalität der Analysten überzeugen.

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Der finale Betrugsversuch am Telefon

In einem letzten Telefonat verstrickte sich der vermeintliche Account Manager „Thomas Reiner“ endgültig. Anfangs wurde Torben erklärt, vermutlich um den Einstieg noch leichter zu machen, dass er sogar schon mit 200 Euro starten kann. Die Frage, wieviel XAI-Token Torben für diese 200 Euro bekommt, wurde von „Thomas Reiner“ umgangen, indem er erzählte, das Geld würde genutzt werden zum Investieren und Torben könnte sich dabei auf einen monatlichen Profit von 20 bis 30% verlassen.

Als Torben fragte, wie viel Provision sie für ihren Betrug bekommen, wenn er jetzt 200 Euro überweist, wurde das Gespräch beendet.

Das volle Ausmaß: Bots, Deepfakes, KI und Fake-Prominenz

Nicht nur auf YouTube grassiert dieser Scam – auch Google-Suchergebnisse zu „XAI Token + Zahl“ werden dominiert von gefälschten Webseiten im Look bekannter Marken wie Binance, Coinbase oder CoinTelegraph. TikTok spielt mittlerweile sogar Werbung für diese Projekte aus – mit einem gefälschten Elon Musk, der die Tokens in Giveaway-Videos anpreist.

Wie gefährlich diese Masche ist, zeigt der Fall eines Rentners aus den USA, der fast 690.000 US-Dollar verlor, da er einem Fake-Video vertraute. Die Täter operieren meist aus Ländern wie Indien, Russland, China oder dem Osten Europas und tarnen die Geldflüsse geschickt über Kryptowährungen, Launchpads und Wallet-Splitter.

Massive Aufklärungsarbeit notwendig

Torben Platzer zeigt eindrucksvoll, wie kriminelle Strukturen mit KI, Deepfakes und gut durchdachten Social-Engineering-Strategien den perfekten Scam aufbauen. Die Masche mit dem gefälschten XAI Token kombiniert visuelle und akustische Täuschung über gepushte YouTube-Kommentare, gefälschte Webseiten, manipulierte Influencer-Videos und persönlichen Kontakt durch Callcenter-Mitarbeiter – alles mit dem Ziel, das Vertrauen von Krypto-Interessierten zu erschleichen.

Das perfide dabei: Jeder, der nicht tief im Thema steckt oder sich professionell mit KI und Deepfakes auseinandersetzt, könnte darauf hereinfallen. Es bleibt deshalb extrem wichtig, skeptisch zu sein, Infos gegenzuprüfen und niemals vorschnell Geld an unbekannte Instanzen zu senden – ganz gleich, wie offiziell oder überzeugend sie auftreten.

Diese Betrugsmethoden zeigen die dunkle Seite der fortschreitenden Digitalisierung und verdeutlichen, warum fundierte Aufklärung nötiger denn je ist.

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