Darknet Shop eröffnen: Wie man legal verkaufen kann
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Was ist das Darknet und warum ist es so faszinierend?
Das Darknet ist ein abgeschotteter Bereich des Internets, der nicht über klassische Suchmaschinen zugänglich ist. Man benötigt spezielle Software wie den Tor-Browser, um Zugang zu diesem Netzwerk zu erhalten. Der größte Unterschied zum offenen Web, dem sogenannten Clearnet, ist die starke Ausrichtung auf Anonymität. Die Kommunikation wird dabei mehrfach verschlüsselt über zufällig ausgewählte Knotenpunkte geleitet, wodurch Sender und Empfänger kaum zurückverfolgt werden können.

Für viele ist das Darknet gleichbedeutend mit illegalen Aktivitäten – Drogenhandel, gefälschte Dokumente, gestohlene Daten und sogar Auftragsmorde. Doch es ist auch ein Rückzugsort für Aktivisten, Whistleblower und Menschenrechtsorganisationen, die sicher und zensurfrei kommunizieren müssen. Laut aktuellen Schätzungen sind über 3 Millionen Menschen täglich im Darknet aktiv, davon rund 296.000 allein aus Deutschland.

Illegale Marktplätze und ihre Reichweite
Marktplätze im Darknet bilden das Zentrum des dortigen wirtschaftlichen Lebens. Angeboten werden digitale und physische Produkte – ein Großteil davon illegal. Ein besonders lukratives Geschäftsmodell ist derzeit Ransomware-as-a-Service: Kriminelle mieten Erpressungssoftware, um Unternehmen oder Privatpersonen zu attackieren. Der Umsatz aus solchen Aktivitäten wird 2024 auf etwa 1,2 Milliarden US-Dollar geschätzt – trotz steigender Abschaltungen durch Behörden.

Ein prominenter Fall war die Abschaltung des Archetype Markets, auf dem über 600.000 Nutzer registriert waren und über 290 Millionen US-Dollar umgesetzt wurden. Der Betreiber wurde in Barcelona verhaftet. Um einer strafrechtlichen Verfolgung zu entgehen, verfolgte Torben Platzer einen legalen Ansatz: Er wollte einen eigenen Shop eröffnen – mit legalen Produkten, vor allem Mystery Boxen.
Recherche im Darknet: Marktnische gesucht
Torben Platzer begann mit einer strukturierten Marktrecherche. Mithilfe des Tor-Browsers analysierte er bestehende Marktplätze, ihre Angebote und Trends für 2025. Trotz vieler Mythen – etwa Auftragsmorde oder „Rent a Clown“-Dienste – sind viele Angebote fake oder sogenannte Scam-Seiten. Trotzdem zeigte sich, dass Mystery Boxen durchaus ein gefragtes, bislang wenig bedientes Segment darstellen.
Auf Marktplätzen wie DarkBay fand er Mystery Boxen für 99 US-Dollar oder eine FSK18-Version für 666 US-Dollar mit bemerkenswert positiven Bewertungen. Die Idee war geboren: Eine eigene Box aus legalem Technikzubehör, gepaart mit Horrordekoration, sollte als Selbstexperiment im Darknet verkauft werden.

So wurde der Shop im Darknet umgesetzt
Im nächsten Schritt ging es an die technische Umsetzung. Mithilfe künstlicher Intelligenz – unter anderem ChatGPT – wurde der gesamte Prozess inklusive Hosting und Website-Erstellung begleitet.

Es wurde der Raspberry Pi als Server verwendet, auf dem eine Linux-Distribution mit dem Content-Management-System GRAV installiert wurde.
Die eigentliche .onion-Adresse wird von dem Webserver kryptografisch erzeugt, wodurch keine zentrale Registrierung notwendig ist. Die Texte wurden mit einem düsteren „Darknet-Flair“ versehen, und Produktbilder ließ Torben ebenfalls durch KI generieren.

Um schneller gefunden zu werden, investierte er 100 US-Dollar in Werbung bei der Darknet-Suchmaschine Torch. Dort wurde ein Banner geschaltet, der zusätzliches Vertrauen schaffen sollte.

Ziel war es, die Nutzererfahrung so professionell und vertrauenswürdig wie möglich zu gestalten – inklusive Impressum, DSGVO-Check und ordentlicher Rechnung.
Erfolg mit Torch Ads: 195.000 Views in einer Woche – und ein Verkauf
Schon eine Woche nach dem Launch des Shops zeigte sich der Erfolg. Über 195.000 Seitenaufrufe und 246 direkte Klicks auf das Produkt konnten verzeichnet werden.

Und tatsächlich: Eine erste Mystery Box wurde verkauft. Die Anonymität wurde gewahrt, doch klar war, dass diese Bestellung über das übliche Maß an Gruselspaß hinausging – sie wurde sogar mit fakturierter Rechnung verschickt.
Torben legte großen Wert darauf, dass das Experiment legal blieb. Ein Gewerbe wurde angemeldet, die Umsätze ordnungsgemäß dokumentiert, Bitcoin-Einnahmen zum Euro-Wechselkurs versteuert und datenschutzrechtliche Vorgaben beachtet.

Vielleicht war gerade diese Professionalität und Seriosität der Grund, warum sich überhaupt jemand für diesen Shop entschied.
Aufklärung statt Romantisierung: Darknet als zweischneidiges Schwert
Torben betont, dass der Großteil der im Darknet angebotenen Mystery Boxen nicht das liefert, was versprochen wird. Viele Inhalte, etwa blutige oder übelriechende Pakete, stammen aus urbanen Legenden und YouTube-Videos mit Millionen Aufrufen. Diese Form der viralen Erzählweise hat Kriminellen in die Hände gespielt, die nun täuschend echte Fake-Shops betreiben.
Die Realität sieht anders aus: Bestellungen über das Darknet führen in 99 Prozent der Fälle zu keinen Ergebnissen – oder im schlimmsten Fall zu ernsthaften Problemen. Daher ist davon dringend abzuraten. Torben hat bewusst nur legale Ware angeboten, um aufzuklären – und auf die Grauzonen und Gefahren hinzuweisen, die mit dem Darknet verbunden sind.
Legal im Darknet verkaufen? Ja, aber extrem speziell
Torben Platzer hat mit seinem Selbstexperiment bewiesen, dass es möglich ist, einen legalen Darknet-Shop zu eröffnen – inklusive realem Verkauf einer Mystery Box. Der Aufwand ist hoch, rechtliche Grundlagen müssen beachtet werden und das Vertrauen der Käufer ist schwer zu gewinnen. Gleichzeitig verdeutlicht dieses Projekt aber auch das gewaltige Potenzial des Darknets – sowohl im positiven wie auch im negativen Sinne.
Ob als Aufklärungsprojekt, strategisches Marketing oder rein zur Erprobung der technischen Infrastruktur: Der Versuch war ungewöhnlich, aber lehrreich. Und er zeigt, dass selbst im zwielichtigen Schatten des Internets Platz für Legalität, Kreativität und Information bleibt.