So wird im Darknet Geld verdient (angeblich)

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Darknet: Mehr als nur ein geheimnisvoller Ort

Das Darknet ist ein verschlüsselter Teil des Internets, der über Suchmaschinen wie Google nicht erreichbar ist. Der Zugriff erfolgt in der Regel über Software wie den Tor-Browser, der die IP-Adresse über mehrere Knotenpunkte verschleiert – ein Instrument, das Journalisten, Whistleblower und politisch Verfolgte schützt. Gleichzeitig zieht dieser anonyme Bereich allerdings auch Kriminelle an.

Aktuellen Statistiken zufolge gelten etwa 57 % der Inhalte im Darknet als illegal – darunter Drogen-, Daten- und Waffenhandel. Trotz intensiver Ermittlungen und der Schließung von über 50 großen Marktplätzen seit 2013 überleben neue Plattformen zwar nur wenige Monate, aber die Zahl der Nutzer steigt kontinuierlich. Heute zählen diese Märkte rund 3 Millionen tägliche Besucher – rund 7 % davon aus Deutschland, was die Bundesrepublik zu einem der häufigsten Zugriffsländer macht.

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Was passiert, wenn dein Name im Darknet auftaucht?

Laut dem Sicherheitsanbieter Surfshark wurden im Jahr 2024 bereits 5,2 Millionen deutsche Konten im Darknet zum Verkauf angeboten. Der geschätzte Jahresumsatz aller Darknet-Marktplätze beläuft sich auf etwa 2 Milliarden US-Dollar – die Dunkelziffer dürfte noch weitaus höher liegen.

Torben Platzer wollte deshalb erfahren, mit welchen Methoden im Darknet Geld verdient wird, ohne jedoch selbst in illegale Aktivitäten einzugreifen. Ziel war es, populäre Betrugs- und Geschäftsmodelle zu testen und potenziellen Gefahren aufzuzeigen.

So professionell wird Schmuggelware getarnt

Ein besonders absurder, aber clever umgesetzter Guide zeigte, wie Substanzen in originalverpackte Elektronikprodukte, etwa eine Apple Watch oder ein iPhone, eingebaut werden. Die Verpackung wird anschließend versiegelt, sodass sie original aussieht. Beim Treffen wird das Paket übergeben, und falls die Person erwischt wird, kann sie behaupten, der Inhalt sei vorher schon darin gewesen – ein Trick, der zumindest in den USA potenziell glaubwürdiger wäre.

Diese Art von Anleitung wurde für rund 8 US-Dollar verkauft und bestand aus einer PDF und einem anschaulichen Video – ähnlich einem professionellen Onlinekurs.

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Phishing-Seiten: Fake-Webseiten, echte Gefahr

Mit einem 50 US-Dollar teuren Phishing-Guide baute Torben eine täuschend echte Kopie einer Instagram-Seite. Diese wurde auf einem Laptop gehostet und über Cloudflare online gestellt. Der Link ähnelte dem der offiziellen Instagram-Mailadresse, inklusive Bindestrich-Domain. Die darauf verlinkte Fake-Seite sammelte Login-Daten und leitete Nutzer anschließend wie gewohnt weiter – für den Betroffenen kaum nachvollziehbar.

Zum Glück landete die E‑Mail bei dem Testopfer im Spam-Ordner, sodass der Betrugsversuch rechtzeitig erkannt wurde.

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Carding: Amazon-Artikel für 2,99 US-Dollar?

Ein weiteres selbst getestetes Geschäftsmodell im Darknet war „Carding“. Das bedeutet: Mit Hilfe eines Video-Tutorials und eines Generators sollten gültige, aber nicht autorisierte Kreditkartennummern erstellt werden, die dann für Amazon-Bestellungen genutzt werden können.

Diese generierten Nummern basieren auf sogenannten BINs (Bank Identification Numbers). Die Funktionsweise mag in seltenen Fällen wegen Schwachstellen im System möglich sein, ist jedoch in den meisten Fällen entweder Fake oder führt sehr schnell zu einem Konto-Bann und strafrechtlichen Konsequenzen. Kreditkartenbetrug verursachte allein im letzten Jahr einen Schaden zwischen 35 und 50 Milliarden US-Dollar weltweit – Tendenz steigend.

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Günstige Apple-Produkte per Prepaid-Visa?

Ein weiterer Darknetdienst bot an, konfigurierte Apple-Produkte stark reduziert zu verkaufen. Angeblich würde der Anbieter Prepaid-Visa-Karten mit kompromittierten Kartendaten aufladen und dann im Namen des Käufers bezahlen. Das ist rechtlich keineswegs harmlos: Wer wissentlich solche Dienstleistungen im Darknet in Anspruch nimmt, macht sich strafbar. Beim Wiederverkauf würde zusätzlich Hehlerei hinzukommen.

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Kryptojacking: Heimliches Mining auf fremden Computern

Torben testete ebenfalls sogenannte Kryptojacking-Skripte – Malware, die sich unbemerkt auf Computer schleicht, um Kryptowährungen wie Monero zu minen. Die Premium-Version dieser Software kostete rund 20 US-Dollar. Zwei der getesteten Programme funktionierten zwar, wurden jedoch direkt vom Browser oder spätestens vom Windows Defender als schädlich erkannt.

Dabei gibt es bereits sehr ausgeklügelte Malware, die bei tatsächlicher Rechnernutzung ihre Aktivitäten automatisch zurückfährt, um nicht entdeckt zu werden. Allerdings waren die getesteten Skripte wenig ausgereift und liefen nur, wenn Python auf dem Zielgerät installiert war.

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Tricks aus der „Fraud Bible“

Die sogenannte „Fraud Bible“ zielte verstärkt auf Social Engineering Methoden ab. Ein Beispiel: Beim PlayStation Live Support gibt man sich als Elternteil aus, dessen Kind gemobbt wurde, um auf diesem Wege virtuell 10 US-Dollar gutgeschrieben zu bekommen.

Die Sammlung enthält auch Anleitungen, wie man Konten unter falschem Namen eröffnet oder Bezahlplattformen wie PayPal betrügt. Viele der enthaltenen E-Books stammen ursprünglich aus dem regulären Internet und wurden offensichtlich illegal kopiert.

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Wie anonym ist das Darknet wirklich?

Anonyme Nutzung ist einer der Hauptgründe, warum viele das Darknet aufsuchen. Doch laut Torben ist die vermeintliche Anonymität trügerisch. Denn auch bei Nutzung des Tor-Browsers gibt es Methoden, Bewegungen rückzuverfolgen, z. B. über „Traffic Correlation“. Behörden überwachen gezielt sowohl den Knotenpunkt zum Einstieg als auch den Ausgangsknoten.

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Wer sich regelmäßig mit denselben Uhrzeiten einloggt, gar echte Daten überträgt oder Standorte preisgibt, kann relativ schnell identifiziert werden.

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Selbst Mausbewegungen oder repetitives Verhalten können Anhaltspunkte geben. Dazu kommen Gefahren durch manipulierte oder gehackte Seiten im Darknet – hier können Spionagetools eingebunden werden, die sämtliche Daten überwachen.

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Neugier kann teuer werden

Torben Platzer zeigt eindrucksvoll, wie professionell und weitreichend die Methoden im Darknet inzwischen geworden sind. Ob Phishing, Kreditkartenbetrug, Kryptojacking oder manipulierte Produkte – vieles klingt im ersten Moment nach einer spannenden Einnahmequelle, ist aber höchst illegal.

Die meisten Geschäftsmodelle im Darknet scheinen letztlich nicht darauf ausgelegt, echten Profit durch Kriminalität zu erwirtschaften – sondern durch den Verkauf von „Insiderwissen“ an neugierige Nutzer. Wer gutgläubig eine Anleitung kauft, wird selbst zur Zielscheibe.

Das Darknet bleibt ein gefährlicher und hochgradig überwachter Raum, in dem sich schon kleine Fehler fatal auswirken können. Wer sich schützen will, sollte nicht eintauchen, sondern beobachten – aus sicherer Entfernung.

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