Temu Gadgets im Test

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Youtube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

No-Name-Technik zwischen Innovation, Täuschung und Risiko

Temu ist längst nicht mehr nur eine Plattform für günstige Haushaltswaren, Kleidung oder Dekoartikel. Immer häufiger tauchen dort Technikprodukte auf, die auf den ersten Blick erstaunlich modern wirken: ein Smartphone mit eingebautem Beamer, eine Brille mit Kamera und KI-Funktion, ein smarter Ring, ein automatischer Mülleimer oder sogar ein Kugelschreiber mit versteckter Kamera.

Torben Platzer hat eine Auswahl besonders ungewöhnlicher Tech-Gadgets bestellt und geprüft, ob hinter den Versprechen echte Innovation steckt oder ob es sich eher um gefährlichen Elektroschrott, irreführende Produktbilder und rechtlich problematische Geräte handelt.

Der Schwerpunkt lag diesmal bewusst nicht auf bekannten Markenprodukten oder Refurbished-Geräten, sondern auf genau jener No-Name-Technik, für die Temu besonders bekannt ist. Viele dieser Produkte werden durch Algorithmen sichtbar gemacht, sobald sie auf Plattformen wie TikTok viral gehen. Ob die beworbenen Funktionen tatsächlich zuverlässig funktionieren, ist dabei oft zweitrangig.

Warum Temu Gadgets kritisch betrachtet werden sollten

Dass günstige Technik von Online-Marktplätzen nicht automatisch harmlos ist, zeigen auch Untersuchungen unabhängiger Stellen. Stiftung Warentest kam bei einer Prüfung zu einem alarmierenden Ergebnis: Von 162 getesteten Produkten erfüllten 110 nicht die geltenden Sicherheitsstandards. Rund ein Viertel wurde sogar als potenziell gefährlich eingestuft.

Temu Gadgets im Test 2

Gerade bei Elektronik ist das problematisch. Fehlerhafte Ladegeräte, falsch deklarierte Laser, versteckte Kameras oder mangelhafte Akkus können nicht nur ärgerlich, sondern im schlimmsten Fall gesundheitsgefährdend oder illegal sein.

Torben Platzer bestellte insgesamt 21 Gadgets für 863 Euro, inklusive 37 Euro Einfuhrgebühren. Darunter befanden sich unter anderem:

– ein Projektor-Smartphone für 271 Euro
– eine KI-Brille für 72 Euro
– ein Mülleimer mit Bewegungssensor für 55 Euro
– ein Smart Ring für 43 Euro
– ein Laserpointer
– ein Spionage-Kugelschreiber
– ein Klapphandy
– ein magnetisches Ladekabel
– Kopfhörer mit Display
– verschiedene tragbare Ventilatoren

Seit dem 1. Juli ist zudem die frühere 150-Euro-Zollfreigrenze Geschichte. Für Sendungen aus China können je nach Warenkategorie zusätzliche Gebühren anfallen. Da ein großer Teil günstiger EU-Bestellungen aus China stammt, verändert das auch das Geschäftsmodell solcher Plattformen. Temu reagiert darauf unter anderem mit eigenen Lagern in Europa und Kooperationen mit Logistikdienstleistern.

Lieferung und Ausgangslage des Tests

Nach rund zwei Wochen kamen die Pakete an. Alle getesteten Produkte wurden von Torben Platzer selbst bezahlt. Das ist insofern wichtig, weil viele Produktvorstellungen auf Videoplattformen gesponsert sind und die Bewertung dadurch oft deutlich positiver ausfällt.

Temu Gadgets im Test

Der Test konzentrierte sich daher auf eine nüchterne Frage: Funktionieren die Gadgets so, wie sie beworben werden, und sind sie überhaupt sicher oder legal?

Laserpointer: Auffällig stark und möglicherweise gefährlich

Eines der problematischsten Produkte war direkt der Laserpointer. Laut Angabe sollte er zur Klasse 1 gehören, also zur harmlosesten Laserklasse. In der Europäischen Union dürfen im regulären Verkauf nur bestimmte Laser bis Klasse 2 angeboten werden, was maximal 1 Milliwatt Leistung bedeutet.

Auffällig war jedoch bereits die Kennzeichnung. Auf dem Temu-Laser befand sich ein Warnaufkleber mit dem Hinweis „Danger“. Eine solche Kennzeichnung ist normalerweise eher bei Lasern der Klassen 3 und 4 zu finden. Eine klare Leistungsangabe fehlte vollständig.

Torben Platzer verglich den Laser mit einem Klasse-2-Laser. Während der zulässige Laser bereits am gegenüberliegenden Haus deutlich verblasste, blieb der Temu-Laser auch auf große Distanz klar sichtbar. Selbst in Richtung Mercedes Tower war der Strahl auf mindestens 1 Kilometer Luftlinie noch erkennbar.

Temu Gadgets im Test 3

Hinzu kamen mangelhafte Pflichtangaben. Als Hersteller war eine Firma aus Yiwu in China angegeben, mit einer kaum vertrauenerweckenden E-Mail-Adresse und einer Handynummer als Kontakt. Im Feld zur Produktidentifikation standen nur Platzhalter wie „Batch Number“ und „Serial Number“. Unter Warn- und Sicherheitshinweisen wurde auf eine Seite verwiesen, die keine relevanten Informationen enthielt.

Das Bundesamt für Strahlenschutz warnt regelmäßig vor genau solchen Produkten. Leistungsstarke Laser können die Netzhaut dauerhaft schädigen. Werden sie auf andere Personen, Fahrzeuge oder Flugzeuge gerichtet, kann daraus sogar eine Straftat werden.

Spionage-Kugelschreiber: Versteckte Kamera mit rechtlichem Risiko

Ebenfalls kritisch war ein als multifunktionaler Schreibstift gelabelter Kugelschreiber. Laut Beschreibung sollte er ideal für Notizen und Vorträge sein. Im Handbuch wurde jedoch auch eine Heimüberwachungsfunktion beschrieben.

Temu Gadgets im Test 4

Das eigentliche Problem ist nicht allein die Kamera, sondern die Funkfunktion. Geräte, die unauffällig aufnehmen und möglicherweise Live-Bilder übertragen können, sind in Deutschland und der Europäischen Union hochproblematisch. Sie können dazu genutzt werden, Menschen heimlich zu überwachen, etwa in Ferienwohnungen, Umkleiden oder privaten Räumen.

Solche Spionagegeräte sind deshalb in vielen Fällen verboten. Der Kugelschreiber war damit kein harmloses Gimmick, sondern ein Produkt mit erheblichem Missbrauchspotenzial.

Klapphandy: Viel Schein, wenig Technik

Das getestete Klapphandy wirkte auf den Produktbildern zunächst wie ein modernes Gerät mit zweitem Außendisplay und mehreren Kameras. In der Praxis stellte sich jedoch heraus: Vieles davon war nur Attrappe.

Das Gerät ließ sich zwar öffnen und bedienen, doch der zweite Bildschirm auf der Außenseite war kein echter Bildschirm. Hinter der Fläche saßen lediglich drei LEDs. Mehr passierte dort nicht.

Auch die Kameraoptik war irreführend. Auf der Rückseite befanden sich scheinbar vier Kameras, tatsächlich funktionierte aber nur eine davon. Der Rest war aufgedrucktes Design oder reine Dekoration.

Damit erfüllte das Klapphandy zwar grundlegende Funktionen, entsprach aber keineswegs dem Eindruck, den die Produktbilder vermittelten.

Gürtel mit angeblichem Display: Nur ein Aufkleber

Ein weiteres Beispiel für irreführende Darstellung war ein Gürtel. Auf dem Produktbild sah es so aus, als säße in der Schnalle ein kleines Display mit Uhrzeit.

Temu Gadgets im Test 6

In der Realität war dort jedoch kein echtes Display verbaut. Die angebliche Digitalanzeige war lediglich aufgeklebt. Technischer Nutzen: keiner.

Das Produkt steht exemplarisch für ein wiederkehrendes Muster bei günstigen Gadgets: Bilder erzeugen den Eindruck smarter Funktionen, die tatsächlich gar nicht vorhanden sind.

Cap-Ventilator: Unpraktisch und defekt

Der Cap-Ventilator sollte eigentlich für Abkühlung sorgen, indem er an einer Kappe befestigt wird und Luft ins Gesicht bläst. In der Praxis funktionierte das kaum.

Temu Gadgets im Test 7

Zum einen war das getestete Exemplar defekt. Zum anderen war das Design so unpraktisch, dass der Ventilator beim Ausklappen genau vor den Augen hing. In der Position, in der er theoretisch Luft ins Gesicht blasen sollte, blockierte er die Sicht.

Damit war das Gadget nicht nur schlecht umgesetzt, sondern auch praktisch unbrauchbar.

Hüftlüfter: Spürbar, aber nur eingeschränkt sinnvoll

Als Alternative testete Torben Platzer einen Hüftlüfter. Dieser besitzt drei Leistungsstufen. Spürbar war der Luftstrom allerdings nur auf der höchsten Stufe.

Für locker sitzende Oversize-Shirts ist das Gerät ungeeignet, da die Luft nicht sinnvoll am Körper entlanggeführt wird. Im besten Fall entsteht eine leichte Brise.

Für 12 Euro ist das zwar kein extrem teures Gadget, der Nutzen bleibt aber überschaubar. Gleichzeitig zieht ein solches Gerät im Alltag eher fragende Blicke auf sich.

Magnetisches Multistecker-Ladekabel: Praktische Idee mit großem Haken

Das magnetische Multistecker-Ladekabel wirkt auf den ersten Blick sinnvoll. Unterschiedliche Adapter können im Ladeanschluss verschiedener Geräte verbleiben, das Kabel dockt anschließend magnetisch an.

Temu Gadgets im Test 9

Der Nachteil: Der Adapter bleibt dauerhaft im Ladeanschluss stecken. Dadurch passt kein normales Ladekabel mehr in das Gerät. Wer das Magnetkabel gerade nicht dabeihat, muss den kleinen Adapter erst entfernen. Das kann mühsam sein und im schlimmsten Fall nur mit einem spitzen Gegenstand gelingen.

Außerdem besteht die Gefahr, dass die winzigen Adapter verloren gehen. Die Grundidee ist praktisch, im Alltag entstehen dadurch aber neue Probleme.

Kopfhörer mit abnehmbarem Display: Funktioniert, aber kaum sinnvoll

Die getesteten Kopfhörer lieferten eine akzeptable Klangqualität. Auffällig war jedoch das abnehmbare Display.

Temu Gadgets im Test 10

Dieses Display soll offenbar zur Steuerung der Musik dienen. Der Nutzen ist allerdings fraglich. Da die Kopfhörer ohnehin mit dem Smartphone gekoppelt sein müssen, kann die Musikwiedergabe direkt über das Handy gesteuert werden.

Das Display wirkt daher eher wie ein Verkaufsargument für Produktbilder als wie eine tatsächlich sinnvolle Erweiterung.

Automatischer Mülleimer: Eines der überzeugenderen Gadgets

Positiv fiel der automatische Mülleimer für 55 Euro auf. Der Deckel öffnet sich automatisch, sobald man sich nähert. Noch interessanter ist die Funktion für Müllbeutel: Wird ein Beutel eingelegt, saugt der Mülleimer ihn automatisch an, sodass er möglichst sauber und vollständig im Inneren sitzt.

Temu Gadgets im Test 11

Ob diese Funktionen den Preis objektiv rechtfertigen, bleibt Geschmackssache. Im Vergleich zu vielen anderen getesteten Gadgets funktionierte der Mülleimer aber tatsächlich wie beschrieben und vermittelte einen echten Komfortgewinn.

Unter den getesteten Produkten gehörte er deshalb zu den sinnvolleren Artikeln.

Smart Ring: Günstige Oura-Alternative mit überraschend vielen Funktionen

Der Smart Ring war eines der spannendsten Produkte im Test. Optisch und funktional erinnert er stark an den Oura Ring, kostet mit 43 Euro aber nur einen Bruchteil des Originals. Der echte Oura Ring liegt je nach Modell bei mindestens 265 Euro aufwärts, zusätzlich kommt für viele Funktionen ein Monatsabo hinzu.

Temu Gadgets im Test 12

Auffällig war, dass die App des Temu-Rings stark an das Interface des Originals erinnerte. Gleichzeitig brachte der günstige Ring sogar Funktionen mit, die der echte Oura Ring in dieser Form nicht besitzt.

Auf dem Ring befindet sich ein kleines Display. Dort lassen sich unter anderem Uhrzeit, Schritte, Puls und Akkustand anzeigen. Die Messwerte lagen im Vergleich erstaunlich nah beieinander.

Zusätzlich bietet der Ring eine Gestensteuerung. Nutzer können sich für eine von drei Funktionen entscheiden:

– Musiksteuerung
– Steuerung kurzer Videos
– E-Book-Funktion

Interessant ist, dass solche Gestenfunktionen auch bei etablierten Anbietern ein Thema sind. Oura hatte dafür erst im Vorjahr ein Unternehmen übernommen. Der günstige Temu-Ring wirkt dadurch technisch ambitionierter als erwartet.

Trotzdem bleibt Vorsicht angebracht. Bei Gesundheitsdaten stellt sich immer die Frage, wie genau die Messungen wirklich sind und was mit den sensiblen Daten passiert.

KI-Brille: Ray-Ban-Meta-Kopie mit oberflächlicher Bilderkennung

Die KI-Brille orientiert sich klar an der Ray-Ban Meta Smart Glasses, die rund 250 Euro kostet. Die Temu-Version kostete 72 Euro und bietet ähnliche Grundfunktionen:

– Videos aufnehmen
– Fotos machen
– Musik hören
– Bilderkennung nutzen
– Sprachassistent verwenden

Die Bilderkennung funktionierte grundsätzlich, blieb aber sehr oberflächlich. Bei einem roten Stuhl erkannte die Brille beispielsweise korrekt, dass sich ein einzelner auffälliger roter Stuhl im Bild befindet.

Auf die Frage, was auf einem Teppich steht, antwortete sie, dass kein Text oder Schriftzug zu erkennen sei und der Teppich ein abstraktes, möglicherweise geometrisches Muster habe.

Temu Gadgets im Test 13

Das ist nicht falsch, aber auch nicht besonders tiefgehend. Die KI beschreibt eher offensichtliche Bildinhalte, statt wirklich komplexe Szenen zu verstehen.

Der Sprachassistent hatte ebenfalls einen Nachteil: Nach jeder einzelnen Frage musste er erneut per Aktivierungswort angesprochen werden. Das macht die Bedienung umständlich und wenig natürlich.

Auch die App wirkte unfertig. Ihr wurde nicht einmal ein eigenes Icon spendiert. Das vermittelt nicht gerade den Eindruck eines ausgereiften Produkts.

Projektor-Smartphone: Teuerstes Gadget mit fragwürdigem Alltagsnutzen

Das teuerste Produkt im Test war das Projektor-Smartphone für 271 Euro. Es sollte ein normales Android-Smartphone mit eingebauter Beamerfunktion kombinieren.

Schon beim Start fiel auf, dass das Gerät langsam reagierte. Vorinstalliert war Android 14. Das Smartphone meldete 12 Gigabyte Arbeitsspeicher und 512 Gigabyte Speicherplatz. In der Temu-Beschreibung standen allerdings nur 6 Gigabyte Arbeitsspeicher und 256 Gigabyte Speicherplatz. In diesem Fall war also mehr Technik angegeben als ursprünglich beworben.

Temu Gadgets im Test 16

Auf der Rückseite befanden sich scheinbar fünf Kameras. Tatsächlich war aber nur eine aktiv. In der Kamera-App ließ sich nur zwischen Front- und Rückkamera wechseln. Bei genauer Betrachtung war auch nur eine echte Rückkamera verbaut.

Angeblich sollte diese Kamera 68 Megapixel bieten. Die Fotoqualität war jedoch schlechter als bei einem iPhone mit 24 Megapixeln. Die Vorschau ruckelte permanent, als würde das Gerät dauerhaft in einem sehr dunklen Raum fotografieren.

Auch bei Spielen zeigte sich die begrenzte Leistung. Fortnite ließ sich gar nicht starten, da der Prozessor nicht unterstützt wurde. Call of Duty Mobile ruckelte im Menü, lief anschließend aber immerhin flüssig.

Die Beamerfunktion des Projektor-Handys

Die Hauptfunktion des Smartphones ist der eingebaute Projektor. Dieser wird über eine App aktiviert. Anschließend wirft das Gerät den aktuellen Bildschirminhalt an die Wand.

Temu Gadgets im Test 14

YouTube-Videos lassen sich dadurch beispielsweise direkt projizieren. Die Schärfe wird über ein kleines Rad eingestellt. Das funktioniert grundsätzlich und sorgt für einen gewissen Vorführeffekt.

Allerdings gibt es deutliche Einschränkungen:

– Die Lautsprecher sind okay, aber leise.
– Sobald projiziert wird, springen Lüfter an.
– Die Lüfter müssen frei bleiben, da das Gerät sonst überhitzen kann.
– Das Smartphone ist sehr schwer.
– Mit knapp 400 Gramm wiegt es etwa doppelt so viel wie ein großes Premium-Smartphone.
– Als Alltagshandy ist es zu langsam und zu klobig.

Die Beamerfunktion ist also interessant, aber eher ein Gimmick als eine wirklich praktische Alltagslösung. Für einen kurzen Vorführeffekt erhält das Gerät etwa 3 bis 3,5 von 5 Punkten. Als normales Smartphone ist es jedoch kaum empfehlenswert.

Viele Produkte funktionieren – aber nicht wie beworben

Bemerkenswert ist: Komplett kaputt war kaum etwas. Die meisten Produkte funktionierten grundsätzlich. Das Problem lag eher darin, dass sie nicht so funktionierten, wie es die Produktbilder oder Beschreibungen versprachen.

Bei mehreren Artikeln waren die Produktbilder deutlich irreführend. Das betraf insbesondere:

– das Klapphandy mit Fake-Außendisplay
– den Gürtel mit aufgeklebter Displaygrafik
– die Kameraattrappen beim Smartphone

Beim teuersten Gadget, dem Projektor-Smartphone, war sogar mehr Speicher angegeben als beworben. Das klingt positiv, ändert aber nichts daran, dass Verarbeitung, Geschwindigkeit und Alltagstauglichkeit enttäuschten.

Wirklich kritisch waren vor allem zwei Produkte: der Laserpointer und der Spionage-Kugelschreiber. Beide hätten in dieser Form potenziell gar nicht beim Kunden ankommen dürfen.

Temu und die Verantwortung von Online-Marktplätzen

Die Europäische Union schaut inzwischen genauer auf Plattformen wie Temu. Ende Mai wurde eine Strafe von 200 Millionen Euro gegen Temu verhängt. Der Hintergrund: Große Plattformen müssen regelmäßig prüfen, welche Risiken von ihren eigenen Angeboten ausgehen.

Temu Gadgets im Test 17

Kritisiert wurde, dass Temu offenbar allgemeine Branchendaten verwendet habe, statt spezifisch die eigenen Plattformrisiken zu analysieren. Besonders problematisch ist, dass ausgerechnet zentrale Faktoren wie Empfehlungsalgorithmus und Influencer-Programme in solchen Berichten kaum ausreichend berücksichtigt wurden.

Die EU-Kommission bestellte selbst Produkte und fand unter anderem Kinderspielzeug mit deutlich überschrittenen Chemikaliengrenzwerten sowie Ladegeräte, die Sicherheitstests nicht bestanden.

Bis Ende August muss Temu einen Plan vorlegen, wie diese Probleme abgestellt werden sollen. Andernfalls könnten weitere Maßnahmen folgen.

Ein paar Überraschungen, zu viele faule Kompromisse

Der Test der Temu Tech-Gadgets zeigt ein gemischtes, aber insgesamt kritisches Bild. Einige Produkte funktionieren überraschend gut, etwa der automatische Mülleimer oder der günstige Smart Ring. Andere sind eher sinnlose Spielereien, deren Nutzen im Alltag kaum erkennbar ist.

Temu Gadgets im Test 18

Problematisch wird es dort, wo Produktbilder bewusst mehr versprechen, als tatsächlich geliefert wird. Fake-Displays, Kameraattrappen und aufgeklebte Anzeigen wirken nicht innovativ, sondern täuschend.

Besonders bedenklich sind Geräte wie ein mutmaßlich zu starker Laserpointer oder ein Kugelschreiber mit versteckter Kamera und Funkfunktion. Hier geht es nicht mehr nur um schlechte Qualität, sondern um mögliche Gesundheitsgefahren und rechtliche Risiken.

Temu bietet günstige Technik, aber günstig bedeutet nicht automatisch sicher, legal oder sinnvoll. Wer solche Gadgets kauft, sollte sehr genau prüfen, was tatsächlich geliefert wird, welche Kennzeichnungen vorhanden sind und ob das Produkt überhaupt den europäischen Sicherheitsstandards entspricht. Die spannendste Erkenntnis des Tests lautet daher: Manche Temu-Gadgets sind überraschend brauchbar – aber das Risiko von Täuschung, mangelhafter Sicherheit und problematischer Technik bleibt hoch.

Ähnliche Beiträge