10.000 Euro Gewinn durch Krypto-Insider-Trading
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Youtube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Was ist Insider-Trading im Krypto-Markt?
In seinem neuen Selbstexperiment beschreibt Torben Platzer, wie er mit Krypto-Insider-Trading mehr als 10.000 Euro Gewinn erzielt hat. Dabei geht es um den Handel auf Basis von nicht öffentlichen, kursrelevanten Informationen – ein Vorgehen, das auf traditionellen Finanzmärkten streng verboten und überwacht wird, etwa durch die BaFin in Deutschland oder die SEC in den USA. Unternehmen sind dabei verpflichtet, sogenannte adhoc-Mitteilungen zu veröffentlichen, sobald Informationen verfügbar sind, die den Kurs beeinflussen könnten, wie etwa Quartalszahlen, Insolvenzen oder Übernahmen.

Im Bereich der Kryptowährungen sieht die Lage jedoch völlig anders aus. Dezentrale Börsen, anonyme Wallet-Adressen und fehlende Meldepflichten machen es praktisch unmöglich, Insiderhandel effektiv zu verhindern. Auch regulatorische Initiativen führen bislang nicht zu einer vollständigen Kontrolle.
Beispiel: Trump Token und seine Auswirkungen
Torben beleuchtet ein aktuelles Beispiel: Kurz vor der Ankündigung Donald Trumps zur nationalen Kryptoreserve setzte ein unbekannter Trader auf steigende Bitcoin- und Ether-Kurse und erzielte während Trumps Rede beeindruckende 6,8 Millionen US-Dollar Gewinn. Die Trades auf der Blockchain sind zwar einsehbar, aber anonym – ein klarer Beleg für die Herausforderungen der Regulierung in diesem Bereich.
Ein weiteres extremes Beispiel war der Launch des „Trump Tokens“. Rund 80% der Token gehörten Trump und seinem Team, während nur 20% zum öffentlichen Handel freigegeben wurden. Innerhalb kurzer Zeit erreichte die Marktkapitalisierung des Tokens über 14 Milliarden US-Dollar. Einzelne Trader, vermutlich Insider, erzielten hier hohe Gewinne – in einem Fall ein Sprung von 200.000 auf 71 Millionen US-Dollar.

Insider-Trades aufspüren
Torben erklärt, wie er das Thema systematisch anging: Er nutzte die Plattform Axiom, da diese gerade von Nutzern für das Wallet-Tracking positiv hervorgehoben wurde. Auf der Plattform gibt es verschiedene Reiter, die es Nutzern ermöglichen, effektiv zu handeln. Über den „Discover“-Reiter, lassen sich auf Axiom alle DEX Screener Coins sowie trendende Coins finden. Über den Reiter „Pulse“ finden die Nutzer neu erstellte Coins sowie Coins, die auf der Bonding-Curve einen gewissen Fortschritt erzielt haben und der Marktkapitalisierung entgegen gehen. Außerdem findet man dort die Coins, die Ihre Marktkapitalisierung kürzlich erreicht haben und über den Dex handelbar sind.
Für Torben interessant ist allerdings der Tracking-Bereich. Dort kann ein Nutzer jede beliebige Wallet-Adresse hinterlegen und erhält in Echtzeit Informationen darüber, wann über die Wallet gekauft und verkauft wird. Für den Anfang hat Torben verschiedene Wallet-Adressen eingetragen und dabei in 3 Kategorien unterteilt:
- Top Trader großer Coins: Wallets, die frühzeitig bei großen Coins eingekauft oder größere Mengen des Coins geschickt bekommen haben und dabei große Gewinne erzielen konnten.
- Key Opinion Leader: Diese findet man beispielsweise auf „kolscan IO“, wo es ganze Leaderboards dazu gibt, wie viel Gewinn einzelne Leader innerhalb der letzten 30 Tage gemacht haben. Alternativ, sagt Torben, kann man auch zahlreiche Echtzeit-Bots auf Plattformen wie X, ehemals Twitter, verfolgen.
- Influencer Wallets

Mit der letzten Gruppe, der Influencer Wallets, konnte Torben sogar seine ersten Gewinne realisieren. Dabei nutzte er einen Post des Barstool-Gründers Dave Portnoy. Dieser hatte Anfang Februar 2025 auf X einen Screenshot gepostet, der seine Montoya-Coin-Wallet zeigte. Dabei war einerseits zu sehen, wie viele Coins in der Wallet sind und auch, welchen Wert die Coins zu dem Zeitpunkt hatten.
Diese Informationen reichen bereits, um die entsprechende Wallet über „SOLScan IO“ ausfindig zu machen. Diese Methode nutzt dabei nicht nur Torben, sondern scheint eine gängige Methode zu sein, um innerhalb der Krypto-Szene Follower zu erhaschen.

Nachdem Torben der Wallet folgte, erhielt er kurze Zeit später bereits die Information, dass darüber 2 Käufe getätigt wurden. Sowohl der „Fartnoy“-Coin als auch der „Jailstool“-Coin wurden gekauft. Torben ist direkt eingestiegen und konnte bei Fartnoy fast 3.000 US-Dollar und bei Jailstool knapp über 2.000 US-Dollar Gewinn erzielen.
Allerdings betont Torben, dass es riskant ist, blind Prominenten zu folgen, da viele Copy-Trader dieselben Trades nachahmen. Insbesondere Krypto-KOLs (Key Opinion Leader) nutzen oft ihre Reichweite, um Kurse kurzfristig zu beeinflussen und schnell Gewinne mitzunehmen, bevor der Coin überhaupt richtig „bonded“ oder sich langfristig etabliert.
Katastrophale Beispiele: Libra Coin und Falschinformationen
Torben schildert auch ein negatives Beispiel: Der Libra Coin, promoted durch den argentinischen Präsidenten Javier Milei, stellte sich als Desaster heraus. Insider zogen innerhalb weniger Stunden 107 Millionen US-Dollar aus dem Liquiditätspool ab, während 74.000 Investoren insgesamt 286 Millionen US-Dollar verloren. Dies führte letztlich dazu, dass argentinische Anwälte vor dem Strafgericht Anzeige wegen Betrugs gegen Präsident Milei erstatteten. Der Gründer des Libra Coins, Hayden Davis, wird derzeit von Interpol gesucht.

Im Gegensatz dazu sicherte sich ein Großinvestor, der 5,6 Millionen US-Dollar investierte, rechtzeitig die Rückerstattung durch Davis. Wie später herauskam, handelte es sich bei dem Großinvestor um Dave Portnoy. In einem seiner Podcasts hatte er Davis für ein Interview zu Gast. Innerhalb des Interviews wurde dann nicht nur der Libra Coin, sondern auch die entsprechende Rückerstattung an Portnoy thematisiert.
In einem späteren Post auf X wurde zudem bekannt, dass Portnoy vor dem Launch des Coins von diesem wusste. Laut eigenen Aussagen wurden ihm im Vorfeld 6 Millionen Coins geschenkt, die er jedoch wieder zurückschickte, da es ihm verboten wurde, darüber zu reden.
Portnoy war jedoch weiterhin aktiv auf dem Krypto-Markt. Über seine bereits bekannte Wallet kaufte er einen anderen Libra Coin. Torben fiel dies sofort auf, da sich die Logos stark unterscheiden, geht aber davon aus, dass Portnoy sich verklickt hat. Er entschied sich dennoch zum Kauf, da er davon ausging, dass zahlreiche Beobachten einfach blind kaufen werden. Auch bei diesem Coin konnte Torben, vermutlich als einer der wenigen, auf einen Gewinn von knapp 4.000 US-Dollar blicken.

Ein weiteres Beispiel: Als CoinTelegraph einen Screenshot einer Wallet in einem Tutorial zeigte, erstellte ein Trittbrettfahrer schnell einen Fake-Token und nutzte das Vertrauen der Nutzer aus. Torben hat den vermeintlichen Fake erkannt, entschied sich aber auch, hier zu kaufen. Letztlich konnte er einen Gewinn von fast 2.200 US-Dollar realisieren.
Ist Krypto-Trading ohne Insiderinfos sinnvoll?
Torben zieht ein ernüchterndes Fazit: Ohne Zugang zu Insider-Informationen oder ausgeklügelten Tracking-Tools sind Gewinne im heutigen Kryptomarkt nahezu unmöglich. Laut „DefiLlama“ konnten Insider mit Solana Memecoins bislang zwischen 3,6 und 6,6 Milliarden US-Dollar Gewinn erzielen. Zwar konnte Torben durch seine Strategien und dem Verfolgen unterschiedlicher Wallets knapp über 11.000 US-Dollar Gewinn erzielen, erinnert aber auch daran, dass er bei anderen Krypto-Investitionen oftmals nur verloren hat:
- 14.000 Euro Verlust mit einem klassischen Wallet
- 2.000 Euro Verlust durch Telegram-Bots
- 5.000 Euro Verlust im „Boxing Bear Coin“ Presale
Diese Fälle unterstreichen, dass Mainstream-Promotionen und Blindinvestments fast immer zum Verlust führen. Hinter vielen gehypten Projekten stehen Risikokapitalgesellschaften und gezielte Abzocke. Auch Launchpads wie „Pump Fun“ wurden von Hackern genutzt, um Krypto-Vermögen zu waschen.
Torben Platzer zeigt eindrucksvoll: Der Kryptomarkt ist weit entfernt von einem fairen, transparenten Spielfeld. Insiderwissen und Datenanalyse verschaffen einen erheblichen Vorteil – ohne beides wird der typische Investor fast zwangsläufig verlieren. Torben Platzer empfiehlt deshalb, dem Spektakel maximal zuzusehen, aber auf keinen Fall ohne tiefes Wissen und entsprechende Werkzeuge eigenes Geld in spekulative Tokens zu investieren.
Wer sich dennoch auf diesen wilden Markt begeben will, sollte sich intensiv mit Blockchain-Analyse, Wallet-Tracking und Trading-Tools auseinandersetzen – oder es lieber bleiben lassen.