The Real World 2.0: KI-Coaching von Andrew Tate getestet

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Andrew Tate und sein Imperium

Andrew Tate ist ein Name, der polarisiert. Der ehemalige US-britische Kickbox-Weltmeister machte sich nach seiner Reality-TV-Karriere als Online-Marke einen Namen. Mit einer Inszenierung als hypermaskuliner Selfmade-Millionär, umgeben von Luxusautos, Villen und einem kompromisslosen Erfolgsnarrativ, baute er eine Followerschaft aus Millionen junger Männer auf. Seine Medienpräsenz blieb jedoch nicht ohne Folgen. Ende 2022 geriet er ins Visier der Ermittlungsbehörden.

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Im Zentrum der Vorwürfe stehen drei Anschuldigungen: Menschenhandel, Bildung einer organisierten kriminellen Gruppe und weitere Vorwürfe, die bis heute jedoch kein abgeschlossenes Verfahren nach sich gezogen haben – primär durch formelle und inhaltliche Mängel in der Anklageschrift. Trotzdem musste Schritt für Schritt die Haft gelockert werden, inzwischen hat Tate sogar seine Ausreiseerlaubnis wieder.

In dieser Situation nutzt Andrew Tate die öffentliche Aufmerksamkeit geschickt weiter für seine inszenierte Geschichte: „Ein Mann gegen das System“, das er als „Matrix“ bezeichnet. Und ausbrechen aus dieser Matrix? Dafür bietet er ein entsprechendes Coachingprogramm: „The Real World 2.0“.

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The Real World 2.0 – Einblick in die neue Version

Torben Platzer hat in der Vergangenheit bereits „The Real World“ ausgiebig in einem Selbstexperiment getestet und sich in die neueste Version 2.0 dieser Coachingplattform nochmals eingekauft. Er möchte testen, ob sich mit den neuen Methoden tatsächlich Geld verdienen lässt – insbesondere im Bereich der Künstlichen Intelligenz.

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Schon auf den ersten Blick fällt auf: es gibt drei Pakete, zwei davon sind „Sold Out“. Erhältlich ist nur noch das teuerste Paket für rund 100 Euro im Monat. Dafür erhält man zusätzliche Module, VIP-Status, mehrere Gerätezugänge und einen gewissen von Tate versprochenen Vorsprung – „Early Access“.

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Nach dem Kauf erfolgt der Zugang über eine Plattform, die an Discord erinnert, jedoch auf Revolt-Technologie im Browser basiert. Das Coaching ist im Stil einer Universität aufgebaut: Die verschiedenen Verdienstmodelle heißen „Campuses“, die Dozenten werden als „Profs“ bezeichnet.

Im Fokus: Geld verdienen mit KI

Ziel ist es, mithilfe der dort gebotenen Tools und Methoden eine KI-Agentur aufzubauen. Die Inhalte im KI-Modul umfassen:

– KI-gestützte Assistenten
– Automatisierung von Aufgaben
– Analyse-Tools
– Kundenkommunikation über Chatbots
– Social-Media-Automationen
– Integration mit Kalender-Tools wie Google Calendar

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In der Theorie klingt das vielversprechend. Die Module sind in Blöcke unterteilt, bieten zahlreiche Videos, Prompt-Listen, PDFs und sogar Live-Calls. Die Grundidee: Automatisierte Prozesse schaffen, und diese dann als Dienstleistung verkaufen.

Praxis-Test: Die ersten Automationen

Torben Platzer hat zwei Automationen ausprobiert:

1. Motivational Quote Reels für Instagram: Über einen eigens erstellten Telegrambot wird ein Zitat eingegeben. Anschließend erstellt ein Workflow im Automatisierungstool N8N ein vollständiges Instagram-Reel. Dafür werden Google Veo als Videotool und Creatomate genutzt, um das Videoformat anzupassen und mit Text sowie Untertiteln zu versehen.

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Problem dabei: Derartige Content-Videos gibt es in Massen! Auf Plattformen wie Fiverr bekommt man 30 Reels oft für unter 5 Euro. Eine nachhaltige Monetarisierung scheint unrealistisch. Torben merkt allerdings an, dass der Setup-Prozess der Automation als Dienstleistung verkauft werden könnte.

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2. Produkt- und Review-Videos automatisch generieren: Mithilfe einer Bild-URL und einer kurzen Beschreibung erstellt ChatGPT einen Werbetext und Videobriefing. Allerdings leiden die Beispiele an mangelnder Authentizität – KI-generierte Sprecher wirken unnatürlich, Produkte sind oft optisch verzerrt. Ein Schritt vorwärts gelang mittels Tools wie Sora und FAL-AI, die bessere Realitätsnähe bieten. Trotzdem bleibt die Herausforderung: Derartige Videos lassen sich aktuell nur schwer zu Geld machen – sie wirken „zu KI-gemacht“.

Torben würde daher eher auf Werbevideos zu einzelnen Produkten setzen, die ohne Person im Video auskommen.

Telefonassistent als Hoffnungsträger?

Wo, laut Torben, Potenzial liegen könnte, ist die Automatisierung eingehender Anrufe. Aufbauend auf Bland AI wurde ein KI-Telefonassistent konfiguriert, der Anrufe für ein fiktives Restaurant annimmt, Reservierungen verarbeitet und mit Hilfe eines Webhooks auf Google Calendar zugreift.

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Diese Lösung basiert auf realen Bedürfnissen – wie etwa eine Stellenausschreibung des Borchardt-Restaurants in Berlin zeigt. Für diese Tätigkeit wird branchenüblich ein Monatslohn von rund 2.300 bis 2.700 Euro angesetzt. Wird ein Großteil dieser Aufgabe nun durch KI ersetzt, könnte man alleine für die Implementierung zwischen 2.500 und 3.000 Euro berechnen, dazu ein Wartungs-Retainer von etwa 300 bis 500 Euro.

Realistisch betrachtet, ist das Vertrauen in KI jedoch vielerorts noch nicht vorhanden. Torben Platzer kontaktierte verschiedene Gastronomen – vier von fünf waren skeptisch und vertrauten lieber weiterhin auf menschliche Interaktion.

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Lohnt sich „The Real World 2.0“?

Zusammenfassend kann Torben sagen: Die Inhalte im Bereich Künstliche Intelligenz sind grundsätzlich brauchbar. Die angebotenen Workflows funktionieren, einige Automationen lassen sich technisch umsetzen, sind aber nicht zwangsläufig lukrativ.

Was man bekommt, ist vor allem eine kuratierte Plattform mit strukturierter Wissensvermittlung. Wer sich nicht selbst durch YouTube-Videos und Foren kämpfen will, könnte hier einen gewissen Mehrwert finden. Trotzdem: Viele der Informationen sind bereits kostenlos verfügbar – aktueller, flexibler und ohne monatliche Kosten.

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100 Euro pro Monat sind aus Sicht von Torben Platzer zu hoch angesetzt. Insbesondere, wenn es um ein durchgängiges Lernen im dynamischen Umfeld der KI-Entwicklung geht. Der größte Wert liegt womöglich tatsächlich im Community-Aspekt und der Motivation durch Gruppen-Ranking sowie Gamification. Wer das jedoch nicht braucht, fährt mit YouTube & Co. besser und günstiger.

„The Real World 2.0“ verspricht viel, liefert solide Inhalte und bietet klare Strukturen. Doch KI-Dienstleistungen erfordern Eigeninitiative, technisches Verständnis und vor allem ein feines Gespür für echte Marktbedürfnisse. Für Einsteiger ist es eine gut gemachte Plattform, fortgeschrittene Nutzer werden jedoch kaum neue Erkenntnisse gewinnen. Wer bereit ist, selbst zu tüfteln, spart sich nicht nur Geld, sondern lernt auch nachhaltiger.

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